Deutschland hat bei der Fußball-EM 2022 das Finale gegen England knapp verloren. Nach intensivem Kampf mit den „Lionesses“ mussten sich die DFB-Frauen erst in der Verlängerung geschlagen geben. Chloe Kelly (111.) traf zum 2:1-Sieg. Die Führung der Engländerinnen hatte Lena Magull zuvor noch ausgleichen können. Deutschland kann dennoch auf eine enorm erfolgreiches Turnier zurückblicken und sich bei einem Empfang in Frankfurt feiern lassen.

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Chloe Kelly war in der Verlängerung die Matchwinnerin zum 2:1 vor 87.192 entfesselten Fans in einer der Kultstätten des Weltfußballs. Während die Spielerinnen von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nach dem Schlusspfiff am Sonntagabend untröstlich auf den Rasen des Wembley-Stadions sanken, rastete das Team von Sarina Wiegman komplett aus.

Mit der Trainerin, die bereits ihr Heimatland Niederlande vor fünf Jahren zum EM-Sieg geführt hatte, feierten die “Lionesses” einen hochverdienten Triumph auf der Bühne, die für sie fast vier Wochen lang die Welt bedeutet hatte.

Für Popp & Co. mag der finale K.o. von Wembley im ersten Moment tragisch erscheinen. Doch mit etwas Abstand dürften die DFB-Kapitänin und ihre Teamkolleginnen vor allem stolz sein auf das, was sie, ebenso wie die verdienten Siegerinnen, gegeben haben: Begeisterung und Inspiration, die sich aus der Hingabe für ihren Sport, gepaart mit selten zuvor erlebter fußballerischer Klasse speiste.

Noch bevor die britische Nationalhymne vor dem Finale das Wembley-Stadion elektrisierte, hielten deutsche Fans mit Transparenten dagegen: “Popp save the team”. Doch daraus wurde nichts. Kurz bevor die Mannschaften einliefen, sprach sich herum, dass die Kapitänin passen muss. Popp hatte sich bereits am Samstag am linken Oberschenkel verletzt. Beim Warmmachen war die mit sechs Treffern beste deutsche Torschützin bei dieser EM noch auf dem Rasen und ihr Name auf der offiziellen Aufstellung vermerkt. Bei Spielbeginn stand als Mittelstürmerin aber Lea Schüller auf dem Platz, die frisch gekürte “Fußballerin des Jahres” in Deutschland. Svenja Huth übernahm die Kapitänsbinde.

Die deutschen Spielerinnen wirkten etwas gehemmt von diesem, für das Mannschaftsgefüge elementaren Verlust. Die Engländerinnen waren in der ersten Hälfte offensiv deutlich aktiver, ließen Chancen von Ellen White (3., 38.) und Lucy Bronze (19.) aber ungenutzt. Die DFB-Frauen kamen nicht in ihren gewohnten Spielfluss, hatten nach einer Ecke von Lina Magull durch Marina Hegering aber die Möglichkeit zur Führung (25.). Der Video-Schiedsrichter checkte zwar das Tohuwabohu im englischen Fünfmeterraum in dieser Szene, erkannte aber keinen Regelverstoß, obwohl Englands Kapitänin Leah Williamson der Ball deutlich an den ausgestreckten Arm gesprungen war.

Spielerisch neuen Schwung brachte die für Jule Brand eingewechselte Tabea Waßmuth. Die Wolfsburgerin lief nach einem Stellungsfehler von Millie Bright allein auf Torhüterin Mary Earps zu, schloss aber zu schwach ab (48.). Zwei Minuten später ließ sie den Ball klug zu Magull am Elfmeterpunkt passieren, doch die traf den Ball nur mit der Pieke (50.). Schließlich kam Schüller nach Waßmuths Steilpass Richtung Earps einen Schritt zu spät (57.).

Mitten in dieser Drangphase der Deutschen wechselte Wiegman seelenruhig zweimal – und drehte damit nicht zum ersten Mal in diesem Turnier entscheidend am Spielgeschehen. Aus der Bedrängnis spielte Keira Walsh einen Steilpass in die Schnittstelle der deutschen Abwehr auf die eingewechselte Ella Toone. Die Offensivspielerin von Manchester United sprintete Hegering und Kathrin Hendrich davon und überwand Frohms mit einem frechen Heber von der Strafraumgrenze (62.).
War es das für Deutschland? Nein. Da war ja noch Magull. Die Offensivspielerin vom FC Bayern wurde von Oberdorf halbrechts im Strafraum freigespielt und nagelte den Ball zunächst an den Pfosten (66.). Etwas später nahm sie dann genauer Maß. Waßmuth legte – diesmal von rechts – für die Edeltechnikerin auf, die den Ball am Fünfmeterraum mit links direkt nahm und hoh zum 1:1 einschoss (79.). Es war ihr drittes Tor bei dieser EM.

Die Entscheidung fiel schließlich nach einem Standard: Nach einer Ecke von Lauren Hemp, die die deutsche Abwehr nicht bereinigen konnte, stocherte die eingewechselte Kelly im Fallen den Ball über die Linie (110.). Die Spielerin von Manchester City riss sich ihr Trikot vom Leib, ihre Kolleginnen hatten Mühe sie einzufangen. England war am Ziel seiner Träume, der Fußball – endlich, endlich – zu Hause angekommen.

Die Startaufstellungen:
England: Earps – Bronze, Bright, Williamson, Daly – Stanway, Walsh – Mead, Kirby, Hemp – White
Deutschland: Frohms – Gwinn, Hendrich, Hegering, Rauch – Magull, Oberdorf, Däbritz – Huth, Schüller, Brand
Schiedsrichterin: Kataryna Monzul (Ukraine)

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