# Das Regionen-Modell und das Kompass-Modell im Vergleich
Die DFB-Arbeitsgruppe hat zwei Ergebnisse geliefert. SPORT IM OSTEN liegen Sitzungsprotokolle und die DFB-Präsentation vor. Anhand dessen lassen sich das Regionen- und das Kompass-Modell neutral vergleichen.
Dabei gibt es einen wesentlichen Fakt, der in den DFB-Unterlagen zu finden ist. Das Regionen-Modell lässt sich wesentlich schwieriger einführen als das Kompass-Modell. So listet der DFB bei der Option, den Nordosten aufzuspalten, fünf offene Fragestellungen auf. Beim Kompass-Modell gibt es nur zwei, von denen eine schon geklärt ist.
### Offene Punkte im Regionen-Modell
* Anzahl der Startplätze variiert nach Drittliga-Absteigern
* Zählt die letzte Nordost-Tabelle oder eine virtuelle Tabelle der Bundesländer?
* Erhöhter Abstieg oder Aufstockung durch Drittliga-Absteiger nötig?
* NOFV-Oberliga Süd muss reine Sachsen-Thüringen-Staffel werden
* Trägerschaft ist unklar
* Zulassungskriterien einheitlich oder regional?
### Offene Punkte im Kompass-Modell
* Trägerschaft (vier Regionalverbände, eine GmbH oder der DFB?)
* Zulassungskriterien einheitlich oder regional (durch die AG beantwortet)
* Wichtig: Mehr Drittliga-Absteiger bedeuten nicht mehr Regionalliga-Absteiger
Die Einführung des Regionen-Modells ist besonders kompliziert, weil der DFB nicht weiß, wie er die letzte Saison in der Nordost-Staffel werten soll. Hintergrund: Weil Thüringen und Sachsen zu Bayern angeschlossen werden, aber Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern dem Norden, ist unklar, ob man die tatsächliche Tabelle heranzieht oder eine virtuelle Tabelle nur mit den Ergebnissen der Mannschaften aus den entsprechenden Bundesländern, die zusammenbleiben, bildet.
## Mediator Vesper kritisierte das Argument der Herren-Teams
Denn nach dem Regionen-Modell erhalten Sachsen und Thüringen fünf oder sechs von 20 Startplätzen in Bayern. Der bayerische Fußballverband mit Jürgen Igelspacher forderte am Mittwoch in Frankfurt am Main sogar, die Anzahl auf vier zu begrenzen. Grundlage für alle Berechnungen sind nur die Herrenmannschaften im Spielbetrieb, die Sportwissenschaftler und laut Sitzungsprotokollen auch der eingeschaltete Mediator Dr. Michael Vesper als einziges Kriterium für nicht tragbar erachten. So enthält die Mitschrift zur dritten Sitzung folgende Passage: “M. Vesper sieht hier die Notwendigkeit der Kompromissbereitschaft und keine starre Orientierung an einzelnen Parametern.”
## Im Regionen-Modell bereiten die Drittliga-Absteiger Probleme
Nach diesen Gesichtspunkten geht das Regionen-Modell aber konsequent vor. Dementsprechend stehen Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern in der neuen Nordost-Staffel laut DFB-Vorlage sogar nur fünf Plätze zu. Problem: Auch die Absteiger aus der 3. Liga müssen in das Modell rein und es kommt weiterhin immer zu erhöhten Absteigern in die Oberliga.
Ein Beispiel für die Qualifikation: Der FSV Zwickau würde in der Regionalliga-Saison 2027/28 Tabellensiebenter werden, weil davor aber vier oder fünf sächsische und thüringische Vereine stehen und Lok Leipzig beispielhaft aus der 3. Liga absteigt, muss Zwickau in die 5. Liga. Gleichzeitig qualifiziert sich aber der Tabellen-11. aus derselben Staffel für die 4. Liga, wenn es ein brandenburgisches Team ist. Fragen werfen auch die Zulassungskriterien auf, weil in Bayern die Sportanlagen kleiner und im Osten große Stadien vorhanden sind. Als letzter offener Punkt ist beim Regionen-Modell die Trägerschaft zu klären.
Beim Kompass-Modell ist die Spielbetriebsorganisation der einzige offene Aspekt. Die Zulassungskriterien würden laut AG-Abstimmung vereinheitlicht. Laut DFB-Folien gibt es drei Varianten für die Trägerschaft beim Kompass-Modell. Interessant: Der DFB würde es selbst machen. Die zweite Option: Alle Regionalverbände bilden eine gemeinsame GmbH. Und die dritte unwahrscheinlichste Möglichkeit ist, dass vier der fünf Regionalverbände die Schirmherrschaft übernehmen. An diesem Punkt verkrachten sich die Regionalverbände, wobei es erst konstruktiv zuging.
## Bayerns Verbandsvertreter zog diese Aussage zurück
Ausgerechnet vom Bayerischen Fußballverband kam laut Protokoll folgende Wortmeldung: “J. Igelspacher führt dazu aus, dass die operative Umsetzung des Spielbetriebs in all seinen Facetten (Spielleitung, SR-Ansetzungen, Sportgerichtsbarkeit, Abstimmung mit Polizeibehörden, etc.) von der Strukturfrage abhängt. Da sei eine gemeinsame Trägerschaft die logische und zwangsläufige Konsequenz. Da das für die bisherigen RL-Träger einen radikalen Einschnitt bedeutet, regt er an, die bisherigen fünf RL-Träger an der neuen Trägerschaft/Organisation zu beteiligen.” In den darauffolgenden Sitzungen scheiterte der Prozess, weil der Bayerische Verband diese Aussage zurückzog und das Regionen-Modell forderte.
## Fahrtstrecken fallen sehr unterschiedlich aus
Was aber bedeutet es für die Vereine? Wird der Nordosten gepalten, müssen Flensburg und Emden nach Halle oder bei einem Abstieg von Cottbus zum FC Energie fahren – und umgekehrt. Genauso müsste Memmingen quasi vom Bodensee nach Leipzig. Im Kompass-Modell wird das ausgeschlossen, weil sich alle Fahrtwege bei allen Teams nach den kürzesten Strecken richten.
## Weniger Ost-Aufsteiger als im Kompass-Modell
Daniel Meyer vom Halleschen FC sagt: “Das sogenannte Regionen-Modell halten wir in dieser Form für einen schlechten Scherz – und es zeigt, auf welch erschreckendem Irrweg sich einige Personen auf Verbandsebene im deutschen Fußball bewegen.” Doch es gibt noch einen weiteren Aspekt aus den Entwürfen, der ernsthafte Fragen aufwirft. Im Regionen-Modell erhält der Osten einen Aufsteiger in Südost und einen in Nordost. Bayern und der Norden erhalten jeweils drei. Im Kompass-Modell kriegt der Osten dagegen 2,5 Aufsteiger, weil man sich in einer Fünftliga-Relegation der vier Oberliga-Vize-Meister mit Bayern einen weiteren Platz erspielen darf. Beim Regionen-Modell wird das ausgelassen.
## Betroffene Regionen lehnten das Regionen-Modell selbst ab
Tommy Haeder vom Chemnitzer FC sagte dazu: “Das Regionen-Modell droht, den Fußball-Osten dauerhaft zu benachteiligen. Es schädigt aber grundlos und fortwährend auch die bayerischen und norddeutschen Vereine.” Denn auch sie bekommen im Vergleich zum Kompass-Modell mindestens zwei bis drei Startplätze weniger und werden massiv höhere Reisekosten haben. Nach SPORT-IM-OSTEN-Informationen lehnten die Vereinsvertreter von Nord, Bayern und dem Osten das Regionen-Modell zusammen mit dem NOFV geschlossen ab. Unter den betroffenen Regionalvertretern stimmten nur der Bayerische und der Norddeutsche Fußballverband dafür. Es wurde also von den unmittelbar Beteiligten mit 2:4 Stimmen abgelehnt.
## Im Sitzungsprotokoll gab es eine Priorität fürs Kompass-Modell
Dagegen gibt es Hinweise auf Unstimmigkeiten, dass der DFB beide Vorschläge gleichwertig als Ergebnisse der AG herausgab. In Sitzungsprotokoll 3 taucht zweimal im Vergleich mit dem Regionen-Modell nachdrücklich diese Passage auf: “Die Priorität der AG liegt nach den Meinungsäußerungen beim ,Kompass-Modell'”. Das änderte sich bis zum Ende nicht, weil mit Dirk Dreher (Regionalliga West) und der DFL noch zwei Unterstützer dazukamen. Die Regionalligen Südwest und West würden im Regionen-Modell unverändert bestehen, obwohl sich mindestens die West-Klubs mehrheitlich eine Reform zur Weiterentwicklung wünschen.
Auch für die Oberligen ist das Kompass-Modell einfacher, weil alle Aufstiegsregelungen grundsätzlich ihre Gültigkeit behalten. Wird der Nordosten aufgeteilt, muss die Oberliga Süd künftig ohne Sachsen-Anhalt zu einer reinen Thüringen-Sachsen-Staffel werden, es sei denn, man würde jedes Jahr virtuelle Länder-Tabellen errechnen.
1 Comment
# Das Regionen-Modell und das Kompass-Modell im Vergleich
Die DFB-Arbeitsgruppe hat zwei Ergebnisse geliefert. SPORT IM OSTEN liegen Sitzungsprotokolle und die DFB-Präsentation vor. Anhand dessen lassen sich das Regionen- und das Kompass-Modell neutral vergleichen.
Dabei gibt es einen wesentlichen Fakt, der in den DFB-Unterlagen zu finden ist. Das Regionen-Modell lässt sich wesentlich schwieriger einführen als das Kompass-Modell. So listet der DFB bei der Option, den Nordosten aufzuspalten, fünf offene Fragestellungen auf. Beim Kompass-Modell gibt es nur zwei, von denen eine schon geklärt ist.
### Offene Punkte im Regionen-Modell
* Anzahl der Startplätze variiert nach Drittliga-Absteigern
* Zählt die letzte Nordost-Tabelle oder eine virtuelle Tabelle der Bundesländer?
* Erhöhter Abstieg oder Aufstockung durch Drittliga-Absteiger nötig?
* NOFV-Oberliga Süd muss reine Sachsen-Thüringen-Staffel werden
* Trägerschaft ist unklar
* Zulassungskriterien einheitlich oder regional?
### Offene Punkte im Kompass-Modell
* Trägerschaft (vier Regionalverbände, eine GmbH oder der DFB?)
* Zulassungskriterien einheitlich oder regional (durch die AG beantwortet)
* Wichtig: Mehr Drittliga-Absteiger bedeuten nicht mehr Regionalliga-Absteiger
Die Einführung des Regionen-Modells ist besonders kompliziert, weil der DFB nicht weiß, wie er die letzte Saison in der Nordost-Staffel werten soll. Hintergrund: Weil Thüringen und Sachsen zu Bayern angeschlossen werden, aber Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern dem Norden, ist unklar, ob man die tatsächliche Tabelle heranzieht oder eine virtuelle Tabelle nur mit den Ergebnissen der Mannschaften aus den entsprechenden Bundesländern, die zusammenbleiben, bildet.
## Mediator Vesper kritisierte das Argument der Herren-Teams
Denn nach dem Regionen-Modell erhalten Sachsen und Thüringen fünf oder sechs von 20 Startplätzen in Bayern. Der bayerische Fußballverband mit Jürgen Igelspacher forderte am Mittwoch in Frankfurt am Main sogar, die Anzahl auf vier zu begrenzen. Grundlage für alle Berechnungen sind nur die Herrenmannschaften im Spielbetrieb, die Sportwissenschaftler und laut Sitzungsprotokollen auch der eingeschaltete Mediator Dr. Michael Vesper als einziges Kriterium für nicht tragbar erachten. So enthält die Mitschrift zur dritten Sitzung folgende Passage: “M. Vesper sieht hier die Notwendigkeit der Kompromissbereitschaft und keine starre Orientierung an einzelnen Parametern.”
## Im Regionen-Modell bereiten die Drittliga-Absteiger Probleme
Nach diesen Gesichtspunkten geht das Regionen-Modell aber konsequent vor. Dementsprechend stehen Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern in der neuen Nordost-Staffel laut DFB-Vorlage sogar nur fünf Plätze zu. Problem: Auch die Absteiger aus der 3. Liga müssen in das Modell rein und es kommt weiterhin immer zu erhöhten Absteigern in die Oberliga.
Ein Beispiel für die Qualifikation: Der FSV Zwickau würde in der Regionalliga-Saison 2027/28 Tabellensiebenter werden, weil davor aber vier oder fünf sächsische und thüringische Vereine stehen und Lok Leipzig beispielhaft aus der 3. Liga absteigt, muss Zwickau in die 5. Liga. Gleichzeitig qualifiziert sich aber der Tabellen-11. aus derselben Staffel für die 4. Liga, wenn es ein brandenburgisches Team ist. Fragen werfen auch die Zulassungskriterien auf, weil in Bayern die Sportanlagen kleiner und im Osten große Stadien vorhanden sind. Als letzter offener Punkt ist beim Regionen-Modell die Trägerschaft zu klären.
Beim Kompass-Modell ist die Spielbetriebsorganisation der einzige offene Aspekt. Die Zulassungskriterien würden laut AG-Abstimmung vereinheitlicht. Laut DFB-Folien gibt es drei Varianten für die Trägerschaft beim Kompass-Modell. Interessant: Der DFB würde es selbst machen. Die zweite Option: Alle Regionalverbände bilden eine gemeinsame GmbH. Und die dritte unwahrscheinlichste Möglichkeit ist, dass vier der fünf Regionalverbände die Schirmherrschaft übernehmen. An diesem Punkt verkrachten sich die Regionalverbände, wobei es erst konstruktiv zuging.
## Bayerns Verbandsvertreter zog diese Aussage zurück
Ausgerechnet vom Bayerischen Fußballverband kam laut Protokoll folgende Wortmeldung: “J. Igelspacher führt dazu aus, dass die operative Umsetzung des Spielbetriebs in all seinen Facetten (Spielleitung, SR-Ansetzungen, Sportgerichtsbarkeit, Abstimmung mit Polizeibehörden, etc.) von der Strukturfrage abhängt. Da sei eine gemeinsame Trägerschaft die logische und zwangsläufige Konsequenz. Da das für die bisherigen RL-Träger einen radikalen Einschnitt bedeutet, regt er an, die bisherigen fünf RL-Träger an der neuen Trägerschaft/Organisation zu beteiligen.” In den darauffolgenden Sitzungen scheiterte der Prozess, weil der Bayerische Verband diese Aussage zurückzog und das Regionen-Modell forderte.
## Fahrtstrecken fallen sehr unterschiedlich aus
Was aber bedeutet es für die Vereine? Wird der Nordosten gepalten, müssen Flensburg und Emden nach Halle oder bei einem Abstieg von Cottbus zum FC Energie fahren – und umgekehrt. Genauso müsste Memmingen quasi vom Bodensee nach Leipzig. Im Kompass-Modell wird das ausgeschlossen, weil sich alle Fahrtwege bei allen Teams nach den kürzesten Strecken richten.
## Weniger Ost-Aufsteiger als im Kompass-Modell
Daniel Meyer vom Halleschen FC sagt: “Das sogenannte Regionen-Modell halten wir in dieser Form für einen schlechten Scherz – und es zeigt, auf welch erschreckendem Irrweg sich einige Personen auf Verbandsebene im deutschen Fußball bewegen.” Doch es gibt noch einen weiteren Aspekt aus den Entwürfen, der ernsthafte Fragen aufwirft. Im Regionen-Modell erhält der Osten einen Aufsteiger in Südost und einen in Nordost. Bayern und der Norden erhalten jeweils drei. Im Kompass-Modell kriegt der Osten dagegen 2,5 Aufsteiger, weil man sich in einer Fünftliga-Relegation der vier Oberliga-Vize-Meister mit Bayern einen weiteren Platz erspielen darf. Beim Regionen-Modell wird das ausgelassen.
## Betroffene Regionen lehnten das Regionen-Modell selbst ab
Tommy Haeder vom Chemnitzer FC sagte dazu: “Das Regionen-Modell droht, den Fußball-Osten dauerhaft zu benachteiligen. Es schädigt aber grundlos und fortwährend auch die bayerischen und norddeutschen Vereine.” Denn auch sie bekommen im Vergleich zum Kompass-Modell mindestens zwei bis drei Startplätze weniger und werden massiv höhere Reisekosten haben. Nach SPORT-IM-OSTEN-Informationen lehnten die Vereinsvertreter von Nord, Bayern und dem Osten das Regionen-Modell zusammen mit dem NOFV geschlossen ab. Unter den betroffenen Regionalvertretern stimmten nur der Bayerische und der Norddeutsche Fußballverband dafür. Es wurde also von den unmittelbar Beteiligten mit 2:4 Stimmen abgelehnt.
## Im Sitzungsprotokoll gab es eine Priorität fürs Kompass-Modell
Dagegen gibt es Hinweise auf Unstimmigkeiten, dass der DFB beide Vorschläge gleichwertig als Ergebnisse der AG herausgab. In Sitzungsprotokoll 3 taucht zweimal im Vergleich mit dem Regionen-Modell nachdrücklich diese Passage auf: “Die Priorität der AG liegt nach den Meinungsäußerungen beim ,Kompass-Modell'”. Das änderte sich bis zum Ende nicht, weil mit Dirk Dreher (Regionalliga West) und der DFL noch zwei Unterstützer dazukamen. Die Regionalligen Südwest und West würden im Regionen-Modell unverändert bestehen, obwohl sich mindestens die West-Klubs mehrheitlich eine Reform zur Weiterentwicklung wünschen.
Auch für die Oberligen ist das Kompass-Modell einfacher, weil alle Aufstiegsregelungen grundsätzlich ihre Gültigkeit behalten. Wird der Nordosten aufgeteilt, muss die Oberliga Süd künftig ohne Sachsen-Anhalt zu einer reinen Thüringen-Sachsen-Staffel werden, es sei denn, man würde jedes Jahr virtuelle Länder-Tabellen errechnen.