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13 Comments

  1. > Fußballspiele werden immer öfter durch Handspiele entschieden. Das sollte nicht so sein. Der Regeltext sollte sich auf andere Parameter konzentrieren, findet kicker-Redakteur Michael Bächle.
    > Was ist Handspiel und was nicht? Die aktuelle Regel erfährt wenig Akzeptanz.
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    > Was ist Handspiel und was nicht? Die aktuelle Regel erfährt wenig Akzeptanz. IMAGO/Chai v.d. Laage
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    > Man kann viele Ausprägungen im aktuellen Fußball schlecht finden, sehr viele sogar. Die meisten haben mit Geld zu tun, mit Vermarktung, mit Business. Zumindest im Profi-Bereich. Die Handspielregel hingegen ist ein Ärgernis nicht nur in der Champions League, sondern auch auf dem Amateursportplatz.
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    > Überall dort, wo Elfmeter verhängt werden oder Tore nicht zählen, weil aus kurzer Distanz ein Körperteil getroffen wird, das nun mal da ist, überall dort nimmt diese Regel den Spaß am Fußball. Sie ist nicht gerecht, sie ist nicht verständlich, sie ist nicht praxistauglich.
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    > Wenn Schiedsrichter erklären, sie haben eben im Sinne des Regelwerks auf den Punkt zeigen müssen, weil ein Arm “unter Spannung steht”, möchte man da nicht die Rückfrage stellen, wie man sich in einen Schuss werfen oder eine Flanke blocken soll, ohne den Arm unter Spannung zu halten? Oder ohne Armbewegung zum Kopfball hochzusteigen? Aber klar: “Da oben hat der Arm nichts verloren.”
    > Der VAR hat die Probleme mit der Regel potenziert
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    > Die Referees sind dabei aber nur das schwächste Glied in der Kette, die bemitleidenswerte Exekutive eines Textes, der den Bezug zur Realität des Spiels verloren hat. Sie müssen die Schelte von Spielern, Zuschauern und Medien aushalten, weil eine Regel immer häufiger Spiele entscheidet, die bei Spielern, Trainern und Zuschauern nicht die nötige Akzeptanz hat.
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    > Durch die Einführung des VAR haben sich die Probleme, die die Regel ohnehin bereitet, noch potenziert. In einem Standbild oder einer Super-Slow-Mo kann schnell eine “unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche” oder eine “aktive Bewegung zum Ball” erkannt werden, wo ein Arm einfach nur mitschwingt.
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    > So ist es nicht verwunderlich, dass auch aus Schiedsrichter-Reihen Kritik an der Regel kommt. Das für die Regelgebung verantwortliche IFAB täte gut daran, objektivere Kriterien anzulegen – vor allem, wenn es um Elfmeterfragen geht. Wo Absicht nicht zu erkennen ist, sollten Auswirkung und Vermeidbarkeit im Vordergrund stehen. Für alle Handspiele, die weder absichtlich, noch vermeidbar sind und nicht unmittelbar ein Tor verhindern, sollte es im Sinne des Sports keinen Elfmeter geben. Ein indirekter Freistoß reicht aus.

  2. EducationalFall4344 on

    Die Idee, das nicht jedes Handspiel (ich würde sogar sagen: Foulspiel) im Strafraum zu einem Elfmeter führen soll, finde ich super.

    Fußball ist so ein low scoring Game, und dass so viele Spiele durch einen Pfiff des Schiris entschieden werden, ist einfach lame.

  3. Meiner Meinung nach ist ein Elfmeter viel zu mächtig und hat zu viel Einfluss auf ein Spiel. Demzufolge sollte man sowas nur bei angemessen Vergehen verhängen. Das “Durchschnittsergebnis” ist ein 2:1 von 90 Minuten Spiel. Fußball ist ein Low-Scoring-Game und auch wenn ein Elfmeter keine 100% Chance ist, ist die Torchance extrem hoch.

    Anderer Ansatz:

    Die Strafe auf ein Vergehen im Strafraum sollte die Situation reflektieren, weswegen die Strafe verhängt wurde.

    * Freilaufend/freistehend, klare Schusslinie. Quasi eine Situation wie ein Elfmeter. Wenn da einer wie ein Handballer reinhechtet oder dem das Standbein weggegrätscht wird, ist ein Elfmeter gerecht. Ein Elfmeter ist letztlich: Freies Tor, Schütze gegen Torhüter. Das sollte die Bedingung sein für die Vergabe eines Elfmeters, mit relativ wenig Grauzone.

    * Wenn jemand links am Toraus am Rande des Strafraums dem anderen die Hand anschießt aus 2m Entfernung, dann darf das kein Elfmeter sein. Ein Zupfer im Eckball-Gedrängel darf kein Elfmeter sein. Ein Rempler am Rande des Strafraums, wenn dieser prall mit Spielern gefüllt ist, darf kein Elfmeter sein. Solche Situationen sollte man mit (indirekten) Freistößen behandeln, weil sie eben auch dieser Situation entsprechend.

  4. the_real_dogefather on

    Viel interessanter finde ich in dem Zusammenhang, dass es seit Jahren Experten gibt die manche Themen (unter anderem dieses) mit folgendem Satz abtun: “ja, wenn wir die Regel so ändern/die Regel so anwenden, dann haben wir halt pro Spiel ab sofort 6 Elfmeter”.

    Und ich denke mir dann immer: ” so what?” Dann gehen Fußballspiel halt ab sofort eher 5:5 aus anstatt 2:2, und nun?”

    Am Ende des Tages zählt das alles auf das Konto “Erkennbarer Unwillen zu echten Reformen” ein.

  5. Sehe ich anders. Jeder Ballkontakt im laufenden spiel mit der Hand sollte gepfiffen werden, dann hat man auch die Diskussionen um angelegten Arm, unnatürliche Bewegung etc. nicht mehr. Wenn dies im Strafraum stattfindet hat der Spieler, bzw. die Mannschaft halt Pech gehabt. Dann gibt es auch keine Diskussionen mehr und nicht so ne Kacke wie mit Cucurella.

  6. Ich kann diesen Text nur vollkommen unterschreiben. Diese Handball Lotterie der letzten Jahre muss aufhören. Es ist nicht im Sinne des Sports.

    Jeder, der Fußball gespielt hat weiß, dass es doch nicht vermeiden lässt, dass der Ball auch mal an die Hand springt. Und was da in letzter Zeit als “unnatürliche Armhaltung” angesehen wurde, ist in 90% der Fälle ein ganz normaler Bewegungsablauf, der im Standbild oder 2 Sekunden Ausschnitt verzerrt wahrgenommen wird. 

    Das entscheidende Kriterium sollte immer sein: Konnte ein Spieler das Handspiel verhindern, oder hatte er keinerlei Zeit zu reagieren. War es Absicht? 

    Und das war zuletzt überhaupt nicht die Bewertungsgrundlage. 

    Ist eine unpopuläre Meinung, aber für mich sollte nicht mal das berühmte Handspiel von Cucurella zu einem Elfmeter führen. 
    Natürlich war das nach den jetzigen Kriterien eine klare Fehlentscheidung, aber wenn man sich die Szene nochmal anschaut, hat auch er die Arme in eigentlich natürlicher Position und versucht sogar noch die Hand wegzuziehen vor dem hqrten Schuss aus kurzer Distanz. 
    Keinerlei Absicht, damit dann auch kein Elfmeter meiner Meinung nach. 

    Ich hoffe dass die Schiedsrichter da in Zukunft umdenken und mehr im Sinne des Sports und der Spieler entscheiden. 

  7. Es ist jetzt extrem wichtig das sehr zeitnahe eine ordentliche Regel zum Thema Handspiel im Strafraum kommt. Ich bin auch Verfächter des indirekten Freistoßes im Strafraum. Ist meiner Meinung nach der richtige Ansatz. Bei einem klar beabsichtigten Handspiel weiterhin Elfmeter.

    Stattdessen kommt die IFAB jedes Jahr mit einer weiteren unnötigen Regelerweiterung an die sich am Ende eh niemand hält (8 Sekunden Torwart, schnellere Auswechslungen usw.)

  8. Ich finde zwar den grundlegenden Gedanken gut, wenn der Fußball aber eines nicht braucht, dann noch mehr Entscheidungsspielraum für den Schiedsrichter.

  9. HospitalitySoldier on

    >In einem Standbild oder einer Super-Slow-Mo kann schnell eine “unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche” oder eine “aktive Bewegung zum Ball” erkannt werden, wo ein Arm einfach nur mitschwingt.

    Sehe darin jetzt kein größeres Problem. Es sollte einfach einheitlicher und einfacher gehandhabt werden. Ob das zu mehr oder weniger Elfmeter, oder Strafen, führt sehe ich als komplett unkritisch. Man sollte weg von Ermessensspielräumen kommen und viel mehr auf Eindeutigkeit gehen.

    Wenn man wirklich Angst hat das die Messis dieser Welt dann Verteidigern an die Hand spielen, ähnlich wie es im Hockey passiert, dann sollte man eher für alternative Strafe nachdenken. Handspiel ist dann halt eine Strafecke. Mit gewissen Vereinfachung in der Bewertung der Zweikämpfe beim Eckball, mag auch hier eine höhere Torquote bei Ecken gar nicht schlimm sein.
    Auch ein taktischen Foul könnte man dann mit einer Spielbezogenen Strafe belegen statt dem Verteidiger die Möglichkeit zu geben das mit gelber Karte, welche je nach Situation komplett unterschiedliche Wirkung hat, zu erlauben sich einen Vorteil zu “erkaufen”.
    Gefährliches Spiel wiederum sollte nicht wirklich allein im Spiel, rote Karte, sondern viel eher Spielübergreifend bestraft werden. Da kann man sich auch viel mehr Zeit nehmen diese Ermessensspielräume am Monitor zu bewerten als dem Schiri das auf dem Feld zu überlassen, der sich dann mehr auf Foul an sich und nicht Intensität kümmern muss. Genauso wie es dann keinen Grund mehr gibt Diaz’ vermeintliche Schwalbe zu sanktionieren, weil Schiri auf Feld halt so entschieden hätte, wenn man Strafe NACH dem Spiel nicht dem Schiri sondern dem VAR überlässt.

  10. Ist heute ein Tag an dem wir für eine konsistentere Linie oder für eine pragmatischere Regelauslegung sind?

    Hab meinen Kalender gerade nicht zur Hand.

  11. Die Handregel sollte man so wie Notbremsen handhaben. Der Schiri soll entscheiden, ob durch das Handspiel ne klare Torchance verhindert wurde oder nicht.

    Vielversprechender Schuss bzw. Flanke auf nen zum Einschieben bereiten Stürmer per Handspiel geblockt: Elfer + evtl. Karte.

    Ball fällt im Getümmel auf den Arm bzw. ne Gut-Glück-Flanke mit geringer Torwahrscheinlichkeit oder n Kackschuss aus Kackposition wird per Handspiel verhindert: indirekter Freistoß.

    Dadurch, dass man nicht für jeden Scheiß direkt Elfer geben muss kann man auch die Schwelle dafür, was man als Handspiel wertet niedrig gestalten. “Arm komplett angelegt” ist weiterhin kein Handspiel.

  12. Finde das Thema extrem frustrierend, weil die es kaum objektive Kriterien gibt. Jede Berührung mit der Hand, ist ja auch keine Lösung

  13. Mein Kritikpunkt seit Jahren ist, dass der DFB und UEFA die Handspielregel aus meiner Sicht vollkommen falsch auslegen.

    Hier mal der Regeltext (Hab den Teil mit der Torerziehlung )

    >-den Ball absichtlich mit der Hand/dem Arm berührt (z. B. durch eine Bewegung der Hand/des Arms zum Ball),
    -den Ball mit der Hand/dem Arm berührt und seinen Körper dabei aufgrund der Hand-/Armhaltung unnatürlich vergrössert. Eine unnatürliche Vergrösserung des Körpers liegt vor, wenn die Hand-/Armhaltung weder die Folge einer natürlichen Körperbewegung des Spielers in der jeweiligen Situation ist noch mit dieser Körperbewegung gerechtfertigt werden kann. Mit einer solchen Hand-/Armhaltung geht der Spieler das Risiko ein, dass der Ball an seine Hand/seinen Arm springt und er dafür bestraft wird,
    -ins gegnerische Tor trifft:
    –direkt mit der Hand/dem Arm (auch wenn dies versehentlich geschieht) (gilt auch für den Torhüter),
    –unmittelbar nachdem er den Ball mit der Hand/dem Arm berührt hat (auch wenn dies versehentlich geschieht).

    Die Grundregel ist eigentlich nach wie vor die Absicht. Das halte ich eigentlich auch für eine sehr gute Regel. Nur absichtliches Handspiel ist verboten.

    Auch der dritte Punkt ist zumindest relativ klar (wenn auch nicht ganz umstritten)

    Jetzt kommt aber, dass der DFB den zweiten Punkt aus meiner Sicht voll am Text vorbei interpretiert.
    Der Regeltext ist ganz eindeutig “PRO Handspieler”

    >wenn die Hand-/Armhaltung weder die Folge einer natürlichen Körperbewegung des Spielers in der jeweiligen Situation ist noch mit dieser Körperbewegung **gerechtfertigt werden kann.**

    Da steht sogar extra “kann”. Sobald man die Armhaltung so rechtfertigen KANN ist es kein strafbares Handspiel. Genau dieser Punkt wird aber vollkommen ignoriert und es werden irgendwelche unnötigen Hilfskriterien erfunden nur damit man möglichst viele Handspiele pfeifen kann.

    Meiner Ansicht nach ist der Punkt eigentlich dafür da, zu verhindern, dass Spieler mit ausgestreckten Armen, wie Jesus am Kreuz, übers Feld laufen und sich dann auf “keine Absicht” berufen können. So was soll damit bestraft werden.

    Bisher habe ich noch keine einzige Erklärung von DFB oder einem SR gehört, der mal den Regeltext zitiert hat. Genau deswegen kennen die meisten Fans den Regeltext ja überhaupt nicht. Und der Autor des Textes scheinbar auch nicht weil er Dinge zitiert, die gar nicht im Regeltext vorkommen. (“weil ein Arm “unter Spannung steht””, auch die “aktive Bewegung zum Ball” ist nur bei Absicht relevant und damit wird fast nie argumentiert.)

    Aufgrund des Regeltextes halte ich persönlich wahrscheinlich so 90% der gepfiffenen Handspiele für falsch und nicht mit dem Text vereinbar.

    Es braucht eigentlich keine neue Regel.. es braucht nur die richtige Umsetzung durch den DFB.